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Loom: Das Hörspiel

Abgetippt von Daniel Strüber

Dies ist die Niederschrift des halbstündigen Hörspiels, in dem die Vorgeschichte zu Loom erklärt wird. Als Loom im Jahr 1990 erschien, lag jeder Packung eine Kassette mit dem Hörspiel bei. Bei späteren Veröffentlichungen in Spielezeitschriften und Compilations verzichtete man leider in der Regel darauf, den Spielern diese zusätzliche Unterstützung ins Abenteuer mitzugeben. Aus diesem Grund könnt ihr euch bei uns das Loom-Hörspiel komplett herunterladen. Für diejenigen, denen die Datei zu groß ist, die die Qualität nicht zufrieden stellt, oder die einfach gerne Hörspiele lesen, habe ich außerdem eine Niederschrift verfasst. Dies war ein relativ zeitaufwendiger Prozess, daher bitte ich euch, diesen Text nicht einfach zu kopieren, sondern ihn zu verlinken.
Das Hörspiel liegt auch als MP3 bei den Downloads.

1. Akt

Intromusik

Es war einmal, lange nach dem zweiten dunklen Zeitalter, als Drachen den dämmerigen Himmel durchflogen und die Sterne am Nachthimmel besonders hell strahlten, dass die Menschheit wieder nach der Macht über die Natur strebte.

Ihre neue Waffe hieß Technik und die Menschen schwangen sie voller Zuversicht. Nach und nach enthüllten die Maschinen des Fortschritts die Geheimnisse um Licht und Dunkelheit. Ganze Nationen glaubten fest, dass ihre technische Macht gar grenzenlos sei.

Der Wettbewerb war hart in diesen produktiven Tagen. Geschickte Arbeit wurde ein wertvolles Handelsgut. Und so schlossen sich die Handwerker des Landes zusammen, um ihre Interessen zu vertreten und ihre Geheimnisse zu beschützen. Diese Gruppen gewannen an Macht, sowie die Zahl ihrer Mitglieder wuchs. Einige, wie die Schmiede und die Kleriker, besaßen bald ganze Länder und eigene Armeen zur Verteidigung.

So begann das Zeitalter der großen Gilden. Enorme Stadtstaaten, gewidmet der absoluten Kontrolle über ihr Wissen, zusammengehalten durch Tradition, Stolz und Angst. Schon nach wenigen Generationen war der Handel der ganzen Welt fest in ihren Händen.

Aber nicht alle Gilden waren so machthungrig. Die Fadenspinner und Tuchweber wollten nur ohne Einmischung ihrer Arbeit nachgehen. Politik interessierte sie nicht und so überließen sie die Verwaltung von Steuern und Kriegen den anderen. Deshalb erreichte die Gilde der Weber niemals die Berühmtheit der Schäfer oder der Glasbläser. Ihre Zahl war klein; denn ihre strengen Regeln verbaten jedermann die Mitgliedschaft außer den Kindern der Mitglieder. Heirat mit Außenstehenden waren erst verpönt, dann schließlich verboten.

Außenseiter betrachteten die geschlossene Gesellschaft der Weber mit Misstrauen. Dennoch hatte diese Sitte auch Vorteile. Die natürlichen Talente der Weber wurden vererbt und verfeinert, Generation über Generation hinweg, so dass die größten unter ihnen Gewebe von außergewöhnlicher Schönheit schufen, über welche die ganze Welt staunte. Waren, die das Siegel der Webergilde trugen, erreichten Höchstpreis. So sammelten die Weber still und heimlich enormen Reichtum an.

Wie die anderen Gilden, hatten auch die Weber eine Lebensphilosophie entwickelt, die sich auf die Werkzeuge und Gepflogenheiten ihres Handwerks gründete. In ihrem Webrahmen aus Holz erkannten sie die Symbole der reinen Wahrheit und fanden bald Wege, Muster der Beeinflussung in ihre Tücher zu weben. Die Stoffe der Gilde wurden bald dafür bekannt, nicht nur schön zu sein. Einige verhalfen Kranken zu schnellerer Genesung. Andere waren ein guter Talisman gegen jede Art von Unglück.

Im Laufe der Zeit übertraf die Kunst der Weber die Grenzen von reinem Tuch. Sie ließen Farben und Werkzeug ihrer Vorfahren zurück, um mit Licht und Musik zu weben. So spannen sie neue Muster direkt in das Gewebe von Zeit und Raum. Die anderen Gilden sahen diese Arbeit voller Angst und bezeichneten sie als Hexenwerk. Viele der Weber wurden verfolgt und verurteilt, einige gehängt

Um ihr Erbe zu schützen, gaben die Weber einen Teil ihres Reichtums aus, um eine kleine Insel weit weg vom Festland zu erwerben. Sie packten ihre Spindeln, Stühle und Schiffchen zusammen und zogen sich vom Rest der Welt zurück, um ihre Künste im Exil zu verfeinern. Kriege und Seuchen folgten. Große Gilden stürzten in den Ruin, andere stiegen auf. Die aus den Fugen geratene Welt vergaß beinahe die Gilde der Weber. Und nur wenige fanden einen Grund, ihre Heimat zu besuchen: Eine rätselhafte Insel, von ewigem Nebel umgeben, von Seeleuten gemieden, von alten Karten genannt: Loom.

(Hetchel) Lady Cygna! Liebes Kind, schon so früh aus dem Bett! Was bringt dich her?
(Cygna) Ich wünsche eine Audienz bei den Ältesten.
(Hetchel) Sieh dich an, bleich wie Schnee, und deine Hände zittern! Setz dich! Allein die Idee, den langen Weg zu gehen! Du wärst jetzt nicht hier, wenn ich noch eine Hebamme wäre, das kann ich dir sagen! Nun, was hast du gesagt? Eine Audienz?
(Cygna) Ich muss mit ihnen reden, sofort!
(Hetchel) Die Ältesten? Hmm... worum geht es?
(Cygna) Eine wichtige Sache! Bitte, Hetchel!
(Hetchel) Eine Audienz? Ohje. Warte hier! Die alte Hetchel kriegt dich schon rein.

Man hört Schritte, eine Tür wird lautstark geöffnet.

(Atropos) Ich erinnere mich nicht, dich gerufen zu haben, Hetchel!
(Hetchel) Vergib mir, Ältester Atropos! Lady Cygna ist in der Vorkammer! Sie verlangt eine Audienz.
(Lachesis) Jetzt? So spät am Nachmittag?
(Hetchel) Euer Ehrwürdigkeit, das Mädchen ist noch nicht gesund, dennoch kam sie allein.
(Cygna) Ich werde reden!
(Hetchel) Cygna!
(Cygna) Älteste, hört mich! Ich kann nicht mehr schweigen!
(Lachesis) Das ist offensichtlich!
(Atropos) Lady Cygna... wir trauern um Euren Verlust.
(Cygna) Trauert nicht um mich, Älteste! Spart euch das Beileid für die Gilde auf!
(Atropos) Ich glaube nicht, dass die Gilde unser Beileid nötig hat.
(Cygna) Wie viele Neugeborene müssen denn noch sterben, bevor die Gilde euer Beileid verdient?
(Lachesis) So spricht man nicht mit einem Ältesten, junge Frau!
(Cygna) Nein? Dann gib mir die richtigen Worte, Lachesis! Sag mir, wie ich mich ärgern soll!
(Clothos) Ärger steht dir nicht, beruhige dich, Kind. Sag uns, was dich so bewegt.
(Cygna) Unsere Saat ist verkommen, Älteste Clothos! Wir haben zu lange unter unseren Regeln gelebt! Fast alle Kinder werden totgeboren! Jene, die überleben, sind meist verstümmelte Monstren! Unsere Zahl sinkt! Nur noch wenige sind übrig! Und alles im Namen der Regeln, die seit tausend Jahren überholt sind!
(Lachesis) Die selben Regeln, die unser nicht unerhebliches Talent hervorgebracht haben!
(Cygna) Aber welchen Sinn wird unser Talent haben, wenn keiner mehr es ausführen kann?
(Atropos) Den selben Sinn, den es heute hat, Cygna. Die Erfüllung des Gewebes. Das ist unser einziger Sinn.
(Cygna) Ihr sprecht vom Gewebe, als sei es unser Herr! Aber die Wandteppiche erzählen von einer Zeit, als wir die Herren waren! Bitte, Älteste! Es ist Macht im Webstuhl!
(Lachesis) Also nach Macht strebst du.
(Clothos) Was sollten wir mit dieser Macht tun?
(Cygna) Benutzt sie! Ich flehe euch an, Älteste Clothos! Benutzt den Webstuhl, um unser Leiden zu beenden und Leben und Gesundheit in unsere Kinder zu bringen! Die Änderung im Gewebe wäre klein, jeder von uns könnte sie einweben. Uns fehlt nur der Mut!
(Lachesis) Bittest du für die Gilde, oder für dich selbst?
(Cygna) Beides.
(Atropos) Cygna, es ist wahr, dass der Webstuhl die Macht hat, nach der du suchst. Es ist auch wahr, dass unsere Vorfahren die Macht benutzten. Vielleicht verstanden sie das Gewebe besser als wir. Oder vielleicht waren die Fäden einfach dicker in diesen einfachen Zeiten. Es macht keinen Unterschied. Wir wagen es heute nicht mehr, das Gewebe zu ändern. Wir verstehen feine Details nicht mehr. Wir können nur noch unser Schicksal im Gewebe beobachten.
(Lachesis) Du fragst nach einem Wunder, Cygna. Aber wird sind keine Götter. Wir können nur deuten.
(Cygna) Deuten? Ihr verwaltet doch nur noch! Wie könnt Ihr das Erbe verschwenden, für das unsere Vorfahren ihr Leben gaben? Euer frommes Händeringen verspottet ihre Hingabe! Wer sind jetzt die Weber und wer die Gewebten?
(Atropos) Genug! Ich habe diese Hysterie aus Verständnis für deinen Verlust geduldet! Aber ich kann diese Blasphemie in Anwesenheit des Webstuhls nicht erlauben! Du wirst zu deinem Zelt zurückgehen und dieses Gespräch vergessen! Wenn ich jemals wieder davon höre, wirst du die Strafe erleiden, die alle trifft und die sich nicht den Ältesten fügt! Muss ich noch deutlicher werden?
(Cygna) Nein, Ältester Atropos.
(Atropos) Dann geh! Und richte uns nicht, Cygna! Nur der Webstuhl hat Recht!

Die Nacht. Es regnet und stürmt.

(Cygna) Verlassen... keiner wird mich hören... niemand... niemand wird es wissen... der Webstuhl... Macht... die Ältesten sind zu feige... ich nicht! Ah... Ah...! Die Farben im Muster! Sie tanzen! Der Schatten eines Regenbogens! Ah, ein grauer Faden! Grau. Grau passt zu allem. Unsichtbar! Niemand wird einen grauen Faden bemerken! Oh, es ist ja so einfach! Ich binde ihn ans Ende des Schiffchens! Ja, lass den Webstuhl arbeiten! Wurf! Schlag! Tritt...! Ruhe! Wurf! Schlag! Tritt! Ruhe! Vorwärts und zurück! Spitz! Oh, du hast mich gut gelehrt, Hetchel! Wurf! Schlag! Tritt! Ruhe! Wurf! Schlag! Tritt! Ruhe! Rein und raus, durch und zurück! Rein und raus, durch und zurück! Wurf, Schlag, Tritt, Ruhe! Rein, raus, durch...!
(Atropos) Cygna!

Die lauten, knarrenden Geräusche des Webstuhls klingen aus. Ein Baby weint.

(Lachesis) Zu spät!
(Hetchel) Das arme Kind.
(Atropos) Du verstehst die Tragweite deiner Tat?
(Cygna) Nur das Gewebe mag richten, Ältester Atropos.
(Lachesis) Wir müssen dieses Vergehen bestrafen!
(Cygna) Tut, was ihr müsst. Das Kind lebt. Mein Teil ist getan.
(Clothos) Gib das Kind zu Hetchel!
(Cygna) Sorg für ihn, wie du für mich gesorgt hast!
(Hetchel) Anders könnte ich es gar nicht.
(Cygna) Ich bin bereit.
(Atropos) Lady Cygna, du bist schuldig des Verrats an der Gilde! Du hast das Heiligtum des Webstuhls verletzt. Du hast das Muster des Gewebes verändert, um deine eigenen Gelüste zu befriedigen. Gegen den Willen der Ältesten! Du wirst hiermit jetzt und für immer aus der Gilde der Weber ausgestoßen! Du sollst weder dieses Kind noch einmal sehen noch einen Fuß auf diese Insel setzen. Von heute an bis zum Ende aller Tage sollst du in ewiger Einsamkeit über den Himmel ziehen. Dein Heilen soll ein Zeichen sein für alle, die ihre Vorbestimmung ändern wollen.

Atropos schlägt mit einem Hammer auf sein Pult, um das Urteil zu bestätigen.

Die Melodie der Transzendenz erklingt, während sich aus Cygnas Schmerzensschreien langsam die Geräusche eines jammernden, mit den Flügen schlagenden Schwans entfalten.

(Hetchel) Ein Schwan! Immer noch schön.

Der Schwan fliegt durch das dabei zerbrechende Fenster.

2. Akt

Nur wenige im Dorf der Weber sahen den großen Schwan im Nachthimmel verschwinden. Doch schon bald erfuhren sie von Lady Cygnas Herausforderung und der schrecklichen Rache der Ältesten. Alle wollten das Kind sehen, nicht geboren von einer Frau, sondern durch den Webstuhl selbst. Ein Kind, dessen Geburt nicht vorhergesagt war.

Es wurde entschieden, das Kind außerhalb des Dorfes aufzuziehen, bis zu seinem 17. Lebensjahr. Dann sollte sein Schicksal vom Rat der Ältesten entschieden werden. Die Alte Dame Hetchel erklärte sich bereit, das Kind des Webstuhls aufzuziehen. Sie nannte den kleinen Jungen Bobbin.

(Hetchel) Bobbin? Bobbin! Wach auf, Kind.
(Bobbin) Hetchel?
(Hetchel) Richtig, Junge! Raus aus den Federn.
(Bobbin) Es ist noch dunkel.
(Hetchel) Ich weiß, kleiner. Komm raus und zieh dich an!
(Bobbin) Warum? Ich schlaf noch!
(Hetchel) Da draußen ist etwas, das du sehen solltest. Schnell! Gleich geht die Sonne auf.

(Bobbin) Kalt hier oben.
(Hetchel) Ich hab doch gesagt, nimm die Decke mit, oder? Hier. Mein Schal ist auch warm.
(Bobbin) Ich sehe nichts.
(Hetchel) Geduld! Sie wird kommen. Sie kommt jedes Jahr, seit es dich gibt.
(Bobbin) Wie sieht sie aus?
(Hetchel) Sie sieht... warte! Da, zwischen den Bäumen...! Nein, nur eine Eule.
(Bobbin) Von hier oben sieh das Dorf so klein aus. Welcher Stern ist das?
(Hetchel) Der ganz helle? Der Morgenstern. Du kannst ihn auch tagsüber sehen, wenn die Sonne günstig steht. Sieh, da unten! Tiefer, knapp über dem Wasser. Kannst du sie sehen?
(Bobbin) Das ist nur eine Seemöve!
(Hetchel) Sieh noch mal!
(Bobbin) Oh!
(Hetchel) Ein Schwan, Bobbin. Ein weißer Schwan. Alles Gute zum Geburtstag, armer Junge.
(Bobbin) Da kommt sie. Schau! Sie fliegt über uns. Sie ist... schön.
(Hetchel) Ja... immer noch schön.
(Bobbin) Warum klingt sie so traurig?
(Hetchel) Weil sie allein ist. Stolz und allein.
(Bobbin) Sie fliegt weg! Wohin fliegt sie, Hetchel?
(Hetchel) Aus dem Einfluss des Gewebes, nehme ich an.
(Bobbin) Können wir sie besuchen?
(Hetchel) Geh nicht zu nah an die Klippe! Nein, Bobbin, wir können sie nicht besuchen. Die, die das Gewebe hervorgebracht hat, sind für immer in sein Netz gespannt. Wohin dieser Schwan fliegt, dorthin können wir niemals gehen.
(Bobbin) *gähn* Die Sonne geht auf.
(Hetchel) Du gähnst ja. Komm, zurück nach Hause und ins Bett.

3. Akt

Die Zeit meinte es gut mit Bobbin Threadbear. Der Junge wuchs groß und schlank heran, mit tiefen blauen Augen, aus denen Übermut und Intelligenz funkelte. Trotzdem ging Bobbin nie in die Schule. Die Ältesten erlaubten es nicht. Den anderen Kindern wurde gesagt, er sei ein Schwachkopf, und diese beschimpften ihn grausam und warfen Steine, wenn er ihnen zu nahe kam. Und so verbrachte der Junge seine Tage in Einsamkeit, durchkämmte den Strand nach Feuerholz und durchstreifte die Hügel und Wälder der kleinen Insel, bis niemand sie besser kannte, als er.

Die alte Hetchel kümmerte sich um Bobbin wie um ein eigenes Kind. Sie sah seine wachsende Bitterkeit und flehte die Ältesten an, sein grausames Exil zu beenden. Aber die Ältesten hatten Angst vor Bobbin, und das nicht ohne Grund. Seine unerwartete Geburt hatte das Gewebe in Chaos gestürzt. Jahr um Jahr beobachteten sie mit wachsender Furcht, wie sich die Schatten der Apokalypse durch das Muster im Webstuhl fraßen. Bobbins Faden webte sich seinen Weg zu einem Schicksal überwältigender Wichtigkeit. Das Muster löste sich auf. Und niemand wusste, wie man den Verfall aufhalten konnte.

Die Ältesten verheimlichten Bobbin, wer er war und wie er auf die Welt gekommen war. Sie beteten, dass Bobbin sein Schicksal nicht erfüllen würde, wenn er niemals die Insel verlassen und niemals das Handwerk des magischen Webens erlernen könnte. Sie schöpften keinen Verdacht, dass die Ausbildung schon begonnen hatte.

(Bobbin) Nicht heute Nacht, Mutter Hetchel.
(Hetchel) Heute Nacht erst recht. Zieh die Vorhänge zu. Nicht ins Feuer. Nun sag mir, wie viele Noten hat ein Spruch?
(Bobbin) Vier.
(Hetchel) Die Namen?
(Bobbin) Der Wurf...
(Hetchel) Weiter?
(Bobbin) Der Schlag...
(Hetchel) Und?
(Bobbin) Der Tritt und die Ruhe.
(Hetchel) Gut. Lass mal sehen, ob du dich an den Spruch erinnerst, den ich dir gezeigt habe. Spinn ihn mal.
(Bobbin) Ohh-ohh-ohh-ohh...
(Hetchel) Erbärmlich! Hör zu... mmh-mmh-mmh-mmh... Jetzt weißt du, was die anderen Jungen in der Schule machen.
(Bobbin) Aber ich werde das Weben nie lernen!
(Hetchel) Blödsinn! Denkst du, jeder Weber wird mit einer goldenen Kehle geboren? Erst jahrelange Übung macht den Meister. Wie lange, glaubst du, weben die Ältesten schon? Fast so lang wie ich! Und das ist wirklich ganz schön lang.
(Bobbin) Aber... womit fange ich an?
(Hetchel) Hiermit. Weißt du, was das hier ist?
(Bobbin) Nein...!
(Hetchel) Dies ist ein Webstab. Unsere Vorfahren spannen damit Wolle zu feinem Faden. Heute spinnen wir Musik und Licht zu Fäden der Macht.
(Bobbin) Zeig es mir!
(Hetchel) Halte den Stab in deiner Hand. So wie jetzt. Keine Angst. Nun spinne den Spruch, den ich dir beigebracht habe. Nur die erste Note!
(Bobbin) Hmmm...-
(Hetchel) Versuch es noch einmal. Aber dieses mal, ziehe die Note in deinem Hals nach oben. Etwa so. Hmm-Hmmm... Kannst du das?
(Bobbin) Glaube schon... Hmm-Hmmmm... Er leuchtet!
(Hetchel) So siehst du, wann du den Ton getroffen hast. Versuch die Schlag- und die Tritt-Note!
(Bobbin) Hmmm-Hmmm...
(Hetchel) Du lernst schnell!
(Bobbin) Was passiert, wenn ich alle vier spinne?
(Hetchel) Sollten wir das nicht ausprobieren? Lass mich das erst schließen... also, hör genau zu. Ich will, dass du die vier Noten spinnst. Warte bei jeder Note, bis der Stab leuchtet. Wenn du die letzte Note anstimmst, richte den Stab auf das Garnknäuel, das in dem Korb dort liegt.
(Bobbin) Aber... den hast du zugemacht!
(Hetchel) Genau! Diese vier Noten ergeben den Spruch des Öffnens. Du wirst den Deckel des Korbes anheben, ohne ihn zu berühren!
(Bobbin) Tut das weh?
(Hetchel) Es kitzelt etwas. Denk daran: Konzentriere dich auf das Knäuel im Korb! Nun, spinn.
(Bobbin) Hmm-Hmm-Hmm-Hmm...
(Hetchel) Konzentriere dich... zeig mit dem... Nicht auf das Fenster!

Das Fenster zerbricht, man hört das nächtliche Grillenzirpen, Hundegebell wird laut.

(Bobbin) Wow!
(Hetchel) Psst! Mach das Licht aus! Sei eine Minute still...! Gut. Ich glaube, niemand hat uns gehört.
(Bobbin) Welche Sprüche kennst du noch?
(Hetchel) Gib mir etwas Zeit. Du hast heute Nacht genug gesponnen. Ab ins Bett mit dir! Morgen ist dein großer Tag. Wir müssen beide früh raus.
(Bobbin) Lass mich dieses Jahr alleine hin, Mutter Hetchel.
(Hetchel) Allein? Nun, du bist sicher alt genug. Geh alleine, Bobbin. Mich stört es nicht, länger im Bett zu bleiben.

Es war noch dunkel, als Bobbin erwachte. Leise, um Hetchel nicht zu wecken, schlüpfte er in seine warme, graue Kutte und ging nach draußen in die Kälte der Dämmerung. Der Weg zur Klippe war steil und in der Dunkelheit gefährlich. Nur die Wellen, die sich an den Felsen brachen, waren zu hören. Es war eine gute halbe Stunde vor Sonnenaufgang, als Bobbin an der Klippe angelangt war. Er setzte sich unter einen alten, kahlen Baum und lehnte sich zurück, um auf den siebzehnten Besuch des Schwans zu warten. Schon nach einer Minute schlief er tief und fest.

Outtromusik